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Nur in den seltensten Fällen trifft man ein architektonisches Bauwerk samt seinem Umfeld in absoluter Bestform an.

Das liegt einerseits daran, dass zwischen Baufertigstellung und Übergabe in der Regel nur ein sehr spartanisch bemessener Zeitraum für das Fotografieren bleibt. Die Reste der Bautätigkeit – vom Bauzaun bis zum Kran, vom Container bis zu den lehmigen hellen LKW-Reifenspuren am schwarzen Asphalt – reicht die Palette der Teile, die am fertigen Bild niemand sehen will.

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Viele optischen Störenfriede lassen sich nicht mal im Dunkel der Nacht verbergen. Entsprechend viele Belichtungen und sorgfältige Handarbeit in der Bildbearbeitung lassen ein Bild entstehen, das unser Bauwerk aus dem Chaos des Alltags heraushebt. Majestätisch, ruhig und prachtvoll steht es da, im Glanz seiner Festbeleuchtung…

Andererseits liegt es daran, dass Gebäude nun mal sehr exponiert im öffentlichen Raum stehen. Autofahrer parken, Möbelpacker schrammen blütenweiße Wände entlang, Hunde gründen Stoffwechsel-Ecken an schicker Architektur, die Straßenmeisterei stellt unfotogene Behälter für Rollsplitt auf, das Verkehrsamt verunziert die öffentlichen Flächen mit Verkehrsschildern und Ampeln, die zwar nützlich, aber selten farblich zur Architektur abgestimmt sind, Kabel hängen, Masten ragen ins Bild, Gehsteige sind geflickt, Kanaldeckel erweisen sich als unerwünschte Eyecatcher, Bäume sind zu stark belaubt und verdecken die Sicht – oder nicht mehr belaubt und sorgen für trübselige Novemberstimmung.

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Als Betrachter vor Ort nimmt man das übliche städtische Beiwerk von Auto bis Stromkabel, von Mast bis Verkehrsschild kaum wahr. Ein minimaler Standortwechsel genügt, und schon ist die Sicht auf jenes Fenster, den Balkon oder das Portal wieder frei. Am Foto sieht das alles unaufgeräumt aus und zieht die Aufmerksamkeit von der Architektur ab. Ich verzichte nur ungern auf eine schöne Perspektive, bloß weil sie ungünstig verstellt ist. Das Ergebnis ist mir den Mehraufwand wert.

Und wenn alle diese Szenarien glücklich umschifft sind, ist das Wetter zum Fototermin nicht tadellos….
(Weswegen ich ein gut bestücktes Archiv von Himmelsfotos in verschiedenen Lichtstimmungen bereithalte.)

Das Erstaunlichste daran:

Alle diese störenden Dinge kann der verblüffende menschliche Sehsinn ausblenden. Wir sehen gefiltert, konzentriert, fokussiert, planvoll. Unser Gehirn MUSS die Reize filtern, die das Auge liefert – ansonsten wären wir in einem Umfeld mit ständig wechselnden optischen Eindrücken innerhalb weniger Minuten völlig überfordert und handlungsunfähig.

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Kein Mensch sieht ALLES – was in einem Moment zu sehen ist.
Aber: Jede Kamera sieht ALLES, was da ist – und zeichnet es erbarmungslos auf.

Ein Mensch, der aufgefordert wird, ein imposantes neues Bauwerk zu betrachten, blendet alles das aus, was zum alltäglichen Anblick gehört. Das Halteverbotschild, die Passanten, den grellroten Kombi, die verschmutzte Straße….Er übersieht die störenden Randerscheinungen wie Baufahrzeuge, Baumulden, Bauschutt etc – weil er weiß, dass es sich um temporäre Erscheinungen handelt, die bald entfernt werden. Man kann sich problemlos vorstellen, wie ein Gebäude ohne all das aussieht.

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Die schönste Vogelperspektive nützt nichts, wenn sie nicht nur einen prachtvollen Blick auf das Gebäude gewährt, sondern die städtischen Imponderabilien geradezu aufdringlich in Szene setzt. Wer nimmt in der Realität schon einen Kanaldeckel wahr, wer stößt sich im Alltag an quietschbunten Werbeplakaten, Splitt-Boxen, Mülleimern etc.? Für die gnadenlose Kameralinse steht all das – das Schöne wie das Hässliche – gleichwertig nebeneinander.: Too much information … Eine sorgfältige post production stellt die richtige Gewichtung wieder her und gibt dem Gebäude jene harmonische Ausstrahlung zurück, die der Betrachter vor Ort verspürt. DAS FOTO IST NUR DIE BASIS FÜR DAS FERTIGE BILD.

Die Kamera ist eine geistlose Aufzeichnungsmaschine.
Zugegeben: sie liefert (sofern man sich keiner kameratechnischen Tricks bedient) eine völlig unbestechliche Abbildung eines Moments. Nicht mehr und nicht weniger.
Eine Minute, einen Tag oder gar eine Woche später liefert die Unbestechliche ein völlig anderes Abbild. Autos sind weggefahren, Menschen sind um die Ecke gebogen, die Sonne blinzelt hervor, die Baumaschinen wurden abgeholt, die Straße wurde gereinigt, die Bäume haben ausgetrieben…. Es gibt keine absolute Wahrheit und Objektivität in der Fotografie, dafür einen eklatanten Mangel des Geräts an Intelligenz, Vorstellungskraft, Einfühlungsvermögen, Hinwendung, Güte, Nachsicht.
Die Post Production oder Bildbearbeitung haucht gnadenlosen Moment-Aufzeichnungen menschlichen Spirit und Emotion ein. Aus dem Abbild entsteht ein Bild, ein mit dem Herzen gesehenes, gefiltertes Bild. Ein Bild von der Anmutung und der Ausstrahlung eines Bauwerks, ein Bild von der inneren Wahrheit…

Das Bauwerk selbst bleibt dabei immer authentisch – es wird lediglich von optischen Störfaktoren entrümpelt.

Die VORHER – NACHHER Beispiele geben einen kleinen Einblick in die verblüffende Wandlung vom Abbild zum Bild, die eine beherzte Bildbearbeitung möglich macht….